Das Buch des Monats

Unter dieser Rubrik präsentieren wir jeden Monat ein Werk unserer Bibliothek, das in ästhetischer, bibliografischer oder historischer Hinsicht einen besonderen Stellenwert besitzt

Unsere Bibliothek bekommt ein schönes Zeugnis der  botanischen Literatur der Renaissance

Als Erbe von Alexander Tschirch und der Berner Schule ist unsere Bibliothek reich an botanischen Werken mit einem Grossteil der wissenschaftlichen Erzeugnisse der Pharmakognosie des 19. und des Beginns des 20. Jahrhunderts. Unser vor einigen Monaten veröffentlichen Buch "Von Büchern und Menschen"  belegt es. Tschirch hat aber seine Sammlertätigkeit ebenfalls auf die Vertreter der Botanik der Renaissance ausgedehnt, zum Beispiel mit den Werken von Leonhart Fuchs und Jacobus Theodorus Tabernaemontanus, die neben Hieronymus Bock, Otto Brunfels und dem Italiener Pietro Andrea Matthioli nach 1500 im Zug einer vom Humanismus beeinflussten neuen Betrachtung der Natur, die Pflanzenwelt erneuerten.

So besitzt die HBSP ein Kräuterbuch von Leonhart Fuchs, das De Historia stirpium in einer in Lyon im Jahre 1549 herausgegebenen Ausgabe und ein später erschienenes New Vollkommen Kraeuter-Buch des deutschen Arztes Jakob Theodor, dessen Name nach seinem Heimatort Bergzabern zu Tabernaemontanus latinisiert wurde. Die erste Ausgabe erschien 1588 in Frankfurt am Main. Unsere Ausgabe, wurde in Basel 1664 bei Jacob Werenfels gedruckt. 

So sind wir überaus glücklich, dass uns Paul Dietschy, ehemaliger Spitalapotheker in Solothurn, im Rahmen des Umzugs der alten Apotheke der Spitalschwestern, ein Faksimile der ersten Ausgabe des De historia stirpium, die beim Drucker Isengrin im Jahre 1542 in Basel erschien, geschenkt hat. Hier folgt der Begleittext des Verlegers Aboca in San Sepolcro.

Es ist ein Meisterwerk der Wissenschaft und Kunst, das die medizinischen Eigenschaften der Pflanzen der Klassischen und der Neuen Welt illustriert, die wir in farbiger Reproduktion präsentieren, begleitet von einem ausführlichen Kommentar zu den technischen und künstlerischen Aspekten des Zeichnens und Druckens.

Das De historia stirpium ist in lateinischer Sprache verfasst und umfasst 928 Seiten mit 517 prächtigen aquarellierten Holzschnitttafeln. Die Beschreibung der 343 Pflanzen, die in alphabetischer Reihenfolge präsentiert werden, erfolgt nach neuen wissenschaftlichen Kriterien, die die Nomenklatur, das morphologische Aussehen, die Herkunft, aber vor allem die vires, die "heilenden Tugenden", unter Bezugnahme auf die klassischen Texte von Galen und Hippokrates angeben. Zum ersten Mal wird der ganzheitliche Aspekt der Pflanze mit Wurzeln, Stängeln, Blättern, Blüten und Früchten hervorgehoben, um eine sichere Identifizierung zu ermöglichen.

Die Tafeln, die das Werk bereichern, stellen einen bedeutenden Fortschritt in der Phytotherapie dar und sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den Künstlern und dem Autor, der ihnen zu Ehren ihre Porträts neben seinen eigenen auf den Einführungsseiten platzieren wollte.

Das Original befindet sich in der Bibliotheca Antiqua des Aboca-Museums in Sansepolcro.