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Prof. Wolf-Dieter Müller-Jahncke ist verstorben

Ein grosser Freund der Schweizer Pharmaziegeschichte ist verstorben

Am 16. Juli dieses Jahres, ist Wolf-Dieter Müller-Jahncke gestorben. Es ist für die ganze Welt der Pharmaziegeschichte und besonders auch für uns, Pharmaziehistoriker aus der Schweiz, eine sehr schmerzliche Nachricht.

Wolf-Dieter Müller-Jahncke, seit Jahrzehnten korrespondierendes Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, war lange Jahre sehr aktiv an den Tagungen unserer Gesellschaft. Wie oft hat er mit seinen grossen Kenntnissen, aber auch mit seinen kritischen Meinungen die Diskussionen nach den Vorträgen bestärkt und erwärmt. Wie oft hat er in der Schweiz, einem Land, das er sehr schätzte und gut kannte, Vorträge von hochkarätigem Niveau gehalten. Wenn die Hauptthemen seiner Forschungen die Geschichte der Astrologie der frühen Neuzeit und der Alchemie waren, Thema seiner 1973 in Marburg verfassten Dissertation, hat er weitaus geforscht und publiziert, was seine zahlreichen Bücher und Hunderte von Artikeln zeigen.

Wolf-Dieter Müller-Jahncke wurde 1944 in Kirchen (Sieg) geboren. Nach dem Studium der Pharmazie wurde er 1970 zum Apotheker approbiert. Er hat anschliessend in Marburg Geschichte der Pharmazie gelehrt, wurde dort unter der Leitung von Rudolf Schmitz promoviert und 1982 habilitiert. Neben seiner Tätigkeit als Besitzer und Leiter der Privilegierten Apotheke in Kirchen (Sieg), hat er als Kurator das Deutsche Apotheken Museum in Heidelberg geleitet.

Auch in Heidelberg, wurde er Honorarprofessor für Geschichte der Pharmazie. Er hat dort zahlreiche Dissertationen geleitet. Unter seinen Schülern haben einige eine weitere Laufbahn in unserem Fach verfolgt. So zum Beispiel Professor Michael Mönnich, Präsident des Schelenz-Instituts, Professor Frank Leimkugel, Autor einer sehr bemerkten Doktorarbeit über die Auswanderung der jüdischen Apotheker, oder noch Professor Axel Helmstädter, ehemaliger Präsident der Internationalen Gesellschaft für die Geschichte der Pharmazie. 1998 gründete er, immer noch in der Stadt am Neckar, das Hermann Schelenz Institut für Pharmazie und Kulturgeschichte. Am jährigen Event, im Schlossrestaurant, gab es immer einen Vortrag und ein Nachtessen mit dem Thema des Referats. So, als der Präsident unserer Stiftung über die Schweizer Apotheker im Ausland und deren Reisen sprach, gab es ein Schweizer Essen, mit Fondue im Aperitif und Zürcher Geschnetzeltes als Hauptspeise! Er war auch international tätig, in der Schweiz wie bereits betont, aber auch in anderen europäischen Ländern zum Beispiel in Frankreich, er war der Sprache mächtig, er lernte die französische Kultur und Sprache während seines Studiums am Centre d’études supérieures de la Renaissance in Tours kennen. Auch in Italien war er oft, wo er an mehreren Kongressen und Zusammenkünften teilnahm. Acht Jahre lang, von 2001-2009 wirkte er als Präsident der Académie internationale d’histoire de la pharmacie.  In dieser Funktion hat er, dank seinem Charisma und seinen Sprachkenntnissen, die ganze Welt der Geschichte der Pharmazie auf hohem akademischen Niveau vertreten und diesem Verein eine starke Aura gegeben.

Mit dem Tod dieser bedeutenden Persönlichkeit der internationalen Pharmaziegeschichte, kosmopolitisch und mehrsprachig, verliert nicht nur unsere ganze community einen Kollegen mit hoher Kultur, mit einem manchmal bissigen Humor, sondern auch die Schweiz und auch unsere Bibliothek, deren Tätigkeit er stets beobachtete und kommentierte. Wir sind traurig aber ihm dankbar für alles, was er für uns getan hat.

 

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